Wechselprämie bei Jobwechsel

In vielen Stellenanzeigen steht ein verheißungsvolles Wort bereits in der Headline: Wechselprämie. Immer mehr Unternehmen wollen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Willkommensbonus locken. Aber wie kommt der bei Talenten an? Ist die Wechselprämie ein Rezept gegen den Fachkräftemangel? Wir haben recherchiert.

Artikel vom 3. Mai 2024

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Was ist eine Wechselprämie im Jobkontext?

Eine Wechselprämie ist eine finanzielle Anreizzahlung, die neue Mitarbeiter von ihrem neuen Arbeitgeber direkt nach Arbeitsantritt erhalten. Diese einmalige Zahlung soll nicht nur als Dankeschön dienen, sondern auch als finanzieller Anreiz, um den Jobwechsel attraktiver zu machen. Besonders in Branchen wie Handwerk, Pflege und Dienstleistungen, wo der Fachkräftemangel am deutlichsten zu spüren ist, sind solche Prämien mittlerweile gang und gäbe. Denn der Fachkräftemangel hat sich in manchen Bereichen so zugespitzt, dass sich Unternehmen immer wieder neue Mittel einfallen lassen, um neue Mitarbeiter*innen anzulocken. Das Ausbezahlen einer Willkommens- oder Wechselprämie ist eines davon. Bedeutet: Wer seinen aktuellen Job gegen einen anderen eintauscht, bekommt von seinem neuen Arbeitgeber direkt nach Arbeitsantritt Bares aufs Konto. Als Dank, dass er oder sie sich für den neuen Job entschlossen hat. 

Wechselprämien sind nicht neu und keineswegs die Erfindung kreativer Recruiter. Die Industrie geht damit schon lange auf Kundenfang. Wer sich zum Beispiel für einen neuen Telefonanbieter entscheidet, bekommt als Dank zum Beispiel einen Gutschein oder Geld, auch Autohäuser zahlen Wechselprämien, Stromanbieter ebenso. Es handelt sich also um einen Trend, der aus dem Marketing oder Vertrieb anderer Bereiche ins Recruiting geschwappt ist.  

Manche Arbeitgeber sind sehr generös 

Dabei zeigen sich manche Arbeitgeber in den Stellenanzeigen auf Stellenonline.de durchaus großzügig und vermarkten ihr Jobangebot mit einer „Wechselprämie zwischen 1.000 Euro und 5.000 Euro“. So manches Unternehmen packt sogar noch eine generöse Umzugspauschale obendrauf, falls Talente für den neuen Job den Wohnort wechseln müssen. Summa summarum ist das eine ganze Stange Geld. 

Tendenz drastisch steigend. Der Anteil von Inseraten mit Einstiegsprämien bzw. Willkommensprämie für neue Mitarbeiter ist in den letzten ein, zwei Jahren spürbar angestiegen. Auffällig dabei ist, dass insbesondere in den Bereichen Handwerk, Pflege, Dienstleistungen und Gewerbe mit einer Wechselprämie um Talente geworben wird. Überall dort also, wo der Fachkräftemangel laut der Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) derzeit am meisten zuschlägt, greifen Unternehmen tief in die Tasche.  

Jobs mit Wechselprämie sind unter anderem:  

Zeitgleich sind dies auch Berufe mit den aktuell größten Fachkräftelücken.

Wie kommt die Wechselprämie bei Bewerbenden an? 

Bei Bewerber*innen mögen Wechselprämien. Laut einer Umfrage würden 66 Prozent der Erwerbstätigen ihren Arbeitgeber ab einer höheren Summe wechseln, obwohl sie mit ihrem aktuellen Job zufrieden sind. Für insgesamt zwölf Prozent der Befragten käme ein Jobwechsel bereits für weniger als 5.000 Euro in Frage. Etwa ein Drittel (20 Prozent) der Wechselwilligen gibt an, einen neuen Arbeitsplatz erst ab einem Betrag von 20.000 Euro in Betracht zu ziehen.  

25 Prozent würden unter keinen Umständen für eine Einmalzahlung den Arbeitsplatz wechseln. Dabei zeigte sich auch, dass die Wechselprämie ein verhältnismäßig neues Tool im Kampf um Talente ist. Bislang haben nur etwa fünf Prozent der Bewerber*innen je ein solches Angebot erhalten.

Es geht langfristig darum, Talente zu binden 

Wobei sich Arbeitgeber über eines im Klaren sein sollten: Sie dürfen es nicht beim Bezahlen der Wechselprämie belassen, um Ihren Fachkräfteengpass einzudämmen. Finden Arbeitnehmer bei ihrer neuen Arbeitsstelle nämlich nicht die Bedingungen vor, die sie erhoffen, sind sie im Zweifelsfall schnell wieder weg. Und dann geht die Suche von vorne los. Damit ist nichts gewonnen. 

Bedenken Sie: Heute sitzen Bewerber*innen am längeren Hebel. Sie können sich ihre Jobs praktisch frei aussuchen. Und von dieser „Macht“ machen sie auch Gebrauch. Es gibt verschiedenste Studien, die seit Jahren belegen: Stört sie etwas, ziehen sie die Reißleine - ab zum nächsten Arbeitgeber.  

Wechselbereitschaft steigt und steigt  

Im vergangenen Jahr erreichte die Wechselbereitschaft der deutschen Beschäftigten ein neues Dauerhoch. Mit 37 Prozent pendelt sich die Offenheit für einen Jobwechsel im zweiten Jahr in Folge auf einem hohen Niveau ein. Sie erreichte den zweithöchsten je gemessenen Wert in der Langzeitstudie von forsa, für die das Meinungsforschungsinstitut seit 2012 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragt.  

Talente sind also immer auf dem Sprung. Das bedeutet: Arbeitgeber dürfen nicht nur einmalig beim Anwerben der Talente investieren, sie müssen langfristig in sie investieren. Sie müssen eine Arbeitsplatzkultur schaffen, von der Arbeitnehmer*innen sagen: „Hier gefällt’s mir, hier will ich bleiben.“  

Welche Faktoren sind wichtig für Arbeitnehmer*innen?  

Was können Arbeitgeber tun, um ihre Mitarbeiter zu binden? Auch hierüber gibt es einschlägige Studien. Was Arbeitnehmenden heutzutage besonders wichtig ist:  

  • Das Angebot von Homeoffice 
  • Flexible Arbeitszeiten 
  • Eine gute Work-Life-Balance 
  • Ein angemessenes Gehalt 
  • Sinnvolle Tätigkeiten 
  • Weiterbildungsangebote 
  • Gute Karriereperspektiven 
  • Gleichberechtigung  

Natürlich kann nicht jeder Arbeitgeber jeden dieser Punkte erfüllen. In einem Krankenhaus wird es zum Beispiel nie möglich sein, Homeoffice-Angebote zu machen. Wichtig ist aber, dass Sie die Wünsche der Arbeitnehmer*innen sehr ernst nehmen und diese – so gut es geht – bedienen. Denn wie gesagt: Inzwischen sitzen sie am längeren Hebel.   

Steuerliche Behandlung von Wechselprämien

Wechselprämien im beruflichen Kontext sind attraktive Anreize für Jobwechsel, jedoch ist ihre steuerliche Behandlung ein wichtiger Aspekt, der sowohl von Arbeitgebern als auch von Mitarbeitern verstanden werden sollte.

Sind Wechselprämien steuerpflichtig?

Ja, Wechselprämien zählen zum steuerpflichtigen Einkommen. Sie werden als zusätzliche Vergütung gewertet und müssen dementsprechend in der Einkommensteuererklärung des Empfängers angegeben werden. Dies gilt unabhängig davon, ob die Prämie als Barauszahlung, Überweisung oder in anderer Form geleistet wird.

Ist eine Prämie brutto oder netto?

Wenn von Wechselprämien die Rede ist, handelt es sich in der Regel um Bruttobeträge. Dies bedeutet, dass der vom Arbeitgeber ausgeschriebene Betrag noch nicht um Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gemindert wurde. Für die Arbeitnehmer ist es daher wichtig zu verstehen, dass der tatsächlich ausgezahlte Nettobetrag nach Abzug der entsprechenden Abgaben deutlich niedriger ausfallen kann als der ursprünglich angekündigte Bruttobetrag.

Wie wird eine einmalige Prämie versteuert?

Die steuerliche Abwicklung von Wechselprämien erfolgt über das Lohnsteuersystem. Der Arbeitgeber ist verantwortlich, die Lohnsteuer direkt vom Bruttobetrag der Prämie abzuziehen und an das Finanzamt abzuführen. Die Höhe der Lohnsteuer bemisst sich nach den üblichen Steuertarifen, die sich nach dem gesamten zu versteuernden Einkommen des Mitarbeiters richten. Der individuelle Steuersatz des Empfängers spielt also eine entscheidende Rolle bei der Berechnung des Nettobetrages, der ihm letztendlich ausgezahlt wird.

Zusätzlich zu den Steuern können auch Sozialversicherungsbeiträge fällig werden, abhängig von der Gesamtvergütung des Mitarbeiters und den geltenden Sozialversicherungsgrenzen. In manchen Fällen kann es steuerlich vorteilhafter sein, die Prämie über mehrere Zahlungsperioden zu verteilen, um die steuerliche Belastung zu optimieren.

Die steuerliche Behandlung von Wechselprämien erfordert eine sorgfältige Planung sowohl seitens des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers. Ein klares Verständnis der steuerlichen Implikationen hilft, unerwartete Abzüge zu vermeiden und die Auswirkungen auf das Nettoeinkommen besser einzuschätzen. Es empfiehlt sich, bei Unsicherheiten bezüglich der Steuerpflicht und -berechnung professionellen Rat einzuholen, um finanzielle Nachteile zu vermeiden.

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